Paradiso · Switzerland
Maritime Eleganz und grosse Küche mit Gegenwind
Maritime Eleganz und grosse Küche mit Gegenwind
THE VIEW Lugano, an SLH HotelRestaurantBarAussicht
Essen
4.0
Service
4.0
Ambiente
3.0
Weinkarte
4.0
4.6
512 Bewertungen
Highlights
- ✦Kaisergranat
- ✦Risotto
- ✦Rotbarbe
Tiefpunkte
- ▾Anfänglich langsamer Service
- ▾Team braucht mehr Kollegen
- ▾Empfang im Restaurant
Ein spektakulärer Blick über den Luganersee, eine Küche voller Finesse und ein Service, der leider an seine Grenzen stösst: Mein Besuch im THE VIEW Lugano war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Während die Küche von Diego Della Schiava auf ganzer Linie überzeugt, lässt das Management sein Team im Service spürbar im Stich. Dennoch ist hier ein kulinarisches Juwel versteckt, das Du Dir bei Deinem nächsten Tessin-Besuch nicht entgehen lassen solltest.
Lage & Geschichte
Das exklusive Fünf-Sterne-Boutique-Hotel thront in spektakulärer Hanglage im ruhigen Wohnviertel Paradiso am Fusse des Monte San Salvatore. Seit der Eröffnung im Jahr 2015 besticht das Gebäude durch seine avantgardistische Architektur aus edlem Schiffsteak und Glas, entworfen vom Tessiner Architekten Luca Gazzaniga. Das gesamte Innendesign ist einer modernen Luxusyacht nachempfunden, was dem Haus eine ganz besondere, mondäne Atmosphäre verleiht. Als stolzes Mitglied der Small Luxury Hotels of the World setzt das Haus neue Massstäbe in der lokalen Luxushotellerie.
Der Küchenchef
Executive Chef Diego Della Schiava prägt das Restaurant seit der Eröffnung und wurde für seine Kreationen mit einem Michelin-Stern sowie 16 Punkten im Gault&Millau belohnt. Seine Ausbildung genoss er an der renommierten italienischen Kochschule ALMA unter der Leitung des legendären Gualtiero Marchesi. Nach Stationen bei Grössen wie Niko Romito und Andrea Berton fand er im Tessin seine Heimat. Seine Küche ist eine farbenfrohe, moderne Interpretation der mediterranen Gastronomie, die er gekonnt mit asiatischen Akzenten verfeinert.
Ambiente
Das Setting im Restaurant ist ausgesprochen modern, wirkt jedoch stellenweise etwas steril und klinisch. Die Aussicht von der Terrasse über die Bucht von Lugano ist prachtvoll, doch drinnen mischt sich das Publikum sehr casual. Für meinen Geschmack ist das Design ein wenig zu kühl geraten, aber die spektakuläre Kulisse gleicht vieles aus. Gezellig ist vielleicht ein anderes Wort, aber die Aussicht entschädigt für einiges.
Service
Hier liegt leider die Achillesferse des Hauses. Schon der Empfang in der Tiefgarage, die wie ein gewöhnliches Einkaufszentrum wirkt, war kühl und wenig herzlich. Es war, nou nou, ein recht schwacher Start für ein Haus dieser Klasse. Das grösste Problem: Das Team ist hoffnungslos unterbesetzt. Die Mitarbeiter vor Ort sind super nett und bemüht, aber sie haben nun mal auch nur zwei Beine. Liebe Eigentümer, gebt diesem talentierten Team bitte mehr Kollegen an die Hand! Erst im Laufe des Abends steigerte sich die Aufmerksamkeit spürbar, was vor allem an zwei exzellenten Gastgebern lag: Der Service von Giovanni war schlichtweg hervorragend, und der exzellente Sommelier Stephan führte uns mit grosser Expertise durch den Abend. So wurde es nach den anfänglichen Stolpersteinen doch noch ein richtig starkes Finish!
Essen & Wein
Kulinarisch war der Abend ein echtes Erlebnis. Nach feinen Apéro-Häppchen – darunter ein lustiges Wassermelonen-Sushi – starteten wir mit einem perfekt gegarten Kaisergranat, der mit wunderbarer Säure und Textur überzeugte. Ein absolutes Highlight war das Risotto mit gehobeltem Eigelb und Rauchzwiebel – prachtvoll abgeschmeckt und handwerklich makellos. Auch die Rotbarbe (Red Mullet) mit Zucchetti-Chips und einer tiefen Fisch-Demiglace war schlichtweg genial. Das Weinpairing von Stephan war auf den Punkt kalkuliert, auch wenn die Weinkarte insgesamt recht sportliche Preise aufruft. Zum Abschluss glänzte ein Mille-Feuille mit Trüffel auf solidem Ein-Sterne-Niveau. Das war wirklich super lekker, hè!
Guides & Presse — meine Sicht
Der Gault&Millau lobt die hochkomplexen Kreationen, merkt aber an, dass sie den Gast stellenweise überfordern können. Diese Kritik kann ich teilweise nachvollziehen – die Kombination aus Erdbeer-Spaghetti und Jakobsmuschel war zwar handwerklich gut gekocht, aber als Gericht für mich eher ein gewagtes Experiment. Dem Michelin-Guide stimme ich vollkommen zu: Die Finesse und Qualität der Speisen von Della Schiava rechtfertigen den Stern absolut. Die vereinzelte Kritik auf Online-Portalen bezüglich unhöflichen Services teile ich nicht – das Team ist schlicht unterbesetzt, arbeitet aber mit grossem Herz.
Fazit
Das THE VIEW Lugano bietet eine hervorragende Küche in einem einzigartigen maritimen Setting. Wenn das Management die Personalsituation im Service in den Griff bekommt, steht einem rundum perfekten Abend nichts mehr im Weg. Trotz des schwachen Starts ist das Restaurant dank Diego Della Schiavas Kochkunst, dem tollen Service von Giovanni und Stephans Weinbegleitung am Ende ein echtes Erlebnis mit starkem Finish. Eine absolute Empfehlung für Deinen nächsten Besuch!
The Good, the Bad & the Ugly
Was ich vor und nach meinem Besuch in der Presse und online über diese Adresse gelesen habe — hier kurz zusammengefasst, damit du meine Eindrücke einordnen kannst.
The Good
- ✦GaultMillau lobt die hochgradig durchdachte, aufwendige und von Italien sowie asiatischen Umami-Elementen inspirierte Kueche von Chefkoch Diego Della Schiava, insbesondere die kreativen Starter-Haeppchen und die handwerklich faszinierenden Gerichte wie die mit fermentierten Blaubeeren gefaerbten Spaghetto.[4]
- ✦Der Guide Michelin zeichnet das Restaurant mit einem Stern aus und lobt die Kueche fuer ihre Finesse und die hohe Qualitaet der zubereiteten Speisen.[1]
- ✦TripReporter hebt das aussergewoehnliche, ueberraschungsreiche Degustationsmenue hervor, das wie ein kulinarisches Kunstwerk auf dem Teller praesentiert wird, sowie die exzellente Weinbegleitung.[3]
- ✦Forbes Travel Guide lobt die saisonalen Gerichte wie die mit wilden Kraeutern gewuerzten Rinderrippchen oder die Taube mit schwarzem Trueffel und wilder Johannisbeersauce.
The Bad
- ▾GaultMillau merkt an, dass die hochkomplexen Kreationen des Kuechenchefs, insbesondere das anspruchsvolle Menue "Mente", die Gaeste ziemlich fordern und stellenweise auch ueberfordern koennen.[4]
- ▾Ein Hoteltest von Head for Points kritisierte den Fruehstueckskorb mit Backwaren wie Croissants und Brioches als extrem schlecht, sodass man diese am Folgetag abbestellen musste.
- ▾Einzelne Gaesteberichte auf TheFork bemaengeln, dass das Essen im Vergleich zu anderen Michelin-Sterne-Restaurants nicht das erhoffte Niveau erreichte, teils zu bemueht wirkte und der Service unhoeflich war.[2]